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Pädagogische Hochschulen – ein Solitär in der deutschen Hochschullandschaft

Geschichte und Aufgaben der Pädagogischen Hochschulen
Pädagogische Hochschulen verfügen über eine sehr lange, zum Teil fast 200jährige Tradition. Den formalen Status als wissenschaftliche Hochschulen haben sie seit 1962. Als in allen anderen deutschen Bundesländern in den 1970ern und 1980er Jahren die Lehrerinnen- und Lehrerbildung in die Universitäten integriert worden war, hatte Baden-Württemberg beschlossen, die PHs als universitäre Bildungshochschulen zu erhalten. Aus heutiger Sicht hat sich diese Entscheidung als zukunftsträchtig erwiesen: Während andernorts Erziehungswissenschaft und Fachdidaktiken in der Lehrerbildung teilweise zurückgedrängt wurden, konnten die sechs Pädagogischen Hochschulen ihr Profil in der Bildungs-, Lehr-, Lernforschung ausbauen. Dadurch verfügt Baden-Württemberg heute als einziges deutsches Bundesland über einen auf Bildungswissenschaften spezialisierten universitären Hochschultyp. Ein zentraler Schwerpunkt der Pädagogischen Hochschulen ist der Bereich der Lehrerinnen- und Lehrerbildung und die damit verbundene fachdidaktische, fachwissenschaftliche und bildungswissenschaftliche Forschung. Angeboten werden Studiengänge für die Lehrämter an Grundschulen, der Sekundarstufe I, beruflichen Schulen und Sonderpädagogik. In die gymnasiale Lehrerinnen- und Lehrerbildung sind die Pädagogischen Hochschulen über vertragliche Kooperationen mit den Universitäten eingebunden.

Pädagogische Hochschulen als „Universitäten für Bildungswissenschaften“
Die Pädagogischen Hochschulen sind bildungswissenschaftliche Hochschulen mit universitärem Profil; sie sind Zentren für Bildungswissenschaften für alle Lebensaltersstufen und mit Bezug zu allen gesellschaftlichen Bereichen. Entsprechend deckt das Studienangebot Bachelor- und Masterstudiengänge von der frühkindlichen und Elementarbildung bis zur Erwachsenenbildung genauso ab wie Studiengänge von der Gesundheits-, Kultur- und Medienbildung bis hin zur Mehrsprachigkeit, Interkulturalität und Umweltbildung. Hier wird erforscht und weitergegeben, wie Bildungs- und Lernprozesse initiiert werden, Lernumgebungen geschaffen und Lernvoraussetzungen gefördert werden können. Dabei ruht das Studium auf den forschungsbasierten Fachdidaktiken, Fachwissenschaften und Bildungswissenschaften und der Schulpraxis in Form wissenschaftlich reflektierter schulpraktischer Studien.

Promotion und Habilitation an den Pädagogischen Hochschulen
Als universitäre Hochschulen zeichnen sich die Pädagogischen Hochschulen durch intensive Forschungstätigkeiten in der bildungswissenschaftlichen Grundlagenforschung und der anwendungsorientierten bildungsbezogenen Forschung in (fast) allen Disziplinen, insbesondere der fachdidaktischen Forschung, aus. Der systematischen Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses wird größte Bedeutung beigemessen, z.B. in Forschungs- und Nachwuchskollegs oder in Promotionskollegs.

Praxisnähe als zentrales Profilmerkmal
Mit der überschaubaren Zahl von ca. 3.000 bis fast 6.000 Studierenden an jeder PH können sich die Pädagogischen Hochschulen auf die spezifischen Lehr- und Forschungsfelder der Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften konzentrieren und eine starke Praxisorientierung mit theoriegeleiteter Reflexion realisieren. Verschiedene Praktika sind in den Studienverlauf fest integriert und erlauben es den Studierenden frühzeitig im Studium zu prüfen, ob sie den richtigen Beruf wählen. Eine Besonderheit in der baden-württembergischen Lehrerinnen- und Lehrerbildung ist dabei u.a. das Integrierte Semesterpraktikum, das von den Lehrenden der Pädagogischen Hochschulen intensiv begleitet wird.

Kooperationen in Forschung, Lehre und Praxis
Auf unterschiedlichen Ebenen und in verschiedenen Studiengängen finden Kooperationen mit anderen Hochschulen, wie Universitäten, Hochschulen für angewandte Wissenschaften sowie Kunst- und Musikhochschulen statt. Die Kooperationen reichen von gemeinsamen Studienangeboten bis hin zu großen gemeinsamen Forschungsprojekten. Ein intensiver Austausch besteht auch mit den Staatlichen Seminaren für Didaktik und Lehrerbildung, der zweiten Phase der Lehrerbildung, sowie mit freien Bildungsträgern. Neben gemeinsamen Angeboten in der Weiterbildung wird zusammen an der Entwicklung und Umsetzung neuer Fragestellungen für die pädagogische Forschung und Praxis gearbeitet. In Kooperationen mit Betrieben und anderen Einrichtungen werden zukunftsweisende Bildungskonzepte realisiert. Kooperationen bestehen auf nationaler und internationaler Ebene.

Internationalisierung
Alle Pädagogischen Hochschulen haben zahlreiche Partnerschaften mit Universitäten im europäischen und außereuropäischen Ausland. Studierende (outgoings, incomings) werden auf verschiedene Weisen gefördert, u.a. im europäischen Raum durch ERASMUS-Programme und bei außereuropäischen Partnerschaften z.B. durch das Baden-Württemberg-Stipendium. Dozentinnen und Dozenten halten sich zu Lehr- und Forschungszwecken an Partnerhochschulen auf und sorgen durch die persönlichen Kontakte für Kontinuität in den Partnerschaften und in länderübergreifenden Forschungsprojekten. Gemeinsam stellen sich die sechs Pädagogischen Hochschulen dem hohen Ziel, ihre Studierenden bestmöglich zu qualifizieren und zu einer flexiblen und reflexiven Professionalität beizutragen. Dabei hat jede einzelne Pädagogische Hochschule in Baden-Württemberg ihr eigenes Profil, jeder Hochschulstandort seine speziellen Qualitäten und seine besondere Atmosphäre.

Kontakt
Geschäftsstelle LRK-PH
Christian Gras
Pädagogische Hochschule Weingarten
Kirchplatz 2
D-88250 Weingarten
Tel.: +49 751 501-8073
E-Mail: gras(at)ph-weingarten.de
www.ph-bw.de